• Zeig mir Deine Freunde und ich sage Dir, wen Du wählst

    Twittern

    Vergangene Woche hat das Bundesverfassungsgericht die verdachtsunabhängige Speicherung von Verbindungsdaten auf Vorrat für verfassungswidrig erklärt.

    Aus den bloßen Verbindungen zwischen Personen lässt sich sehr viel ablesen, man muss dazu nicht einmal die konkreten Inhalte der Gespräche kennen. Es genügt zu wissen, wer wann mit wem wie lange Kontakt hatte, um Rückschlüsse auf Netzwerke, Freundeskreise und Rädelsführer ziehen zu können.

    Wie aufschlussreich solche Verbindungen sind, habe ich am Beispiel von Twitter untersucht. (Twitter ist für mich so etwas wie die Drosophila unter den Netzwerken: Man kommt einfach an das Datenmaterial heran und für das ein oder andere Thema kann der Microbloggingdienst als Muster dienen.)

    Twitterfollower und -friends geben ungewollt Auskunft

    Untersucht habe ich 492 deutschsprachige Accounts, die eine eindeutige Parteienpräferenz in ihrem Profil angegeben haben (danke an @malte_politicus für die Listen) Von diesen Accounts habe ich überprüft, wem sie folgen und von wem sie zurückverfolgt werden (sog. „Re-Following“). Einige der Re-Follower konnte ich aufgrund deren eigenen Profilangaben eindeutig einer politischen Partei zuordnen. Es ergab sich also für jeden untersuchten Account ein typisches Refollower-Profil, wer mit welchen Parteigängern die größten Schnittmenge aufweist.

    Partei Die meisten
    Re-Follower in
    eigener Partei
    Die meisten
    Re-Follower in
    anderer Partei
    CDU 77 Accounts 2
    SPD 187 2
    FDP 120 3
    Grüne 72 2
    Linke 23 4
    Gesamt 479 13

    97% der untersuchten Parteiaccounts hatten die meisten Re-Follower innerhalb ihrer eigenen Partei. Das ist plausibel und zunächst einmal nicht weiter verwunderlich. Das besondere hierbei ist aber, dass für die Untersuchung gar keine Parteienpräferenz im öffentlichen Profil angegeben worden sein muss, um als möglicher Sympathisant erkannt zu werden. (Diese Angabe wurde hier nur verwendet, um das Untersuchungsergebnis zu verifizieren).

    Man kann nicht nicht kommunizieren

    Frei nach Watzlawik bedeutet das, dass man allein durch die Wahl seiner Freunde eine Aussage über sich selber trifft. Wie deutlich diese Aussage sein kann, zeigt diese Untersuchung.

    Wenn man bedenkt, dass die im Bundestag vertretene Partei „Die Linke“ in Bayern vom Verfassungsschutz beobachtet wird oder dass die Initiative „13 Februar“, die in Dresden einen Nazi-Aufmarsch erfolgreich verhindert hat, im Vorfeld vom LKA Sachsen aufgefordert wurde, ihren Webserver abzuschalten (siehe Netzpolitik.org), sind solche Netzwerkanalysen plötzlich mehr als reine Drosophila-Spielerei.

    Als zoon politicon mag man in seinem Online-Profil (“Online-Reputation”) einen weiteren Ausdruck politischer Meinungsäußerung verstehen. Aber dessen sollte man sich bewusst sein. Wer seine politischen Überzeugungen nicht in die Öffentlichkeit tragen möchte (warum auch immer), sollte sich gut überlegen, wo er oder sie das bereits bewusst oder unbewusst getan hat.

  • 5 Reaktionen

    Kommentare

    1. zrendavir
      (@zrendavir)

      11. März 2010

      Twitters Kommunikationsdaten zu analysieren, weil sie ja öffentlich sind, ist eine gute Idee. Könnte man eine ähnliche Analyse nicht auch mit Facebook Fanpages machen? die sagen ja auch nicht wenig aus.

      Je mehr Kommunikation wir digitalisieren, desto größer wird das Problem. Aber ich schätze Ansätze wie das Firefox-Addon TrackMeNot (Google mit Suchanfragen zuspammen, damit Google nicht weiß, was man *wirklich* sucht) werden in Zukunft die Lösung sein.

      Die Idee des Kommunikationsdatenspams sollte man wahrscheinlich im Auge behalten.

      (Antworten)

  • Trackbacks

    1. die ennomane raquo; Blog Archive raquo; Links der Woche
    2. Linkdump for 01. April 2010 Links synapsenschnappsen
  • Bitte kommentieren Sie:

  • Name (Pflichtfeld):

    E-Mail (Pflichtfeld):

    Webseite:

    Twittername:

    Kommentare zu diesem Beitrag als rss-Feed abonnieren

    Ihr Kommentar: