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	<title>Webevangelisten &#187; Netzkultur</title>
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	<description>Evidenzbasierende Social Media Beratung</description>
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		<title>Der Matth&#228;useffekt</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Apr 2010 16:28:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Pfeiffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Analysen]]></category>
		<category><![CDATA[Betrachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
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		<description><![CDATA[„Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er F&#252;lle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat“ (Mt. 25,29).
Der Volksmund macht aus diesem biblischen Zitat die Version: Der Teufel schei&#223;t immer auf den gr&#246;&#223;ten Haufen. Dieser als Matth&#228;us-Effekt bezeichnete Mechanismus sorgt f&#252;r eine gesellschaftlich Schere, bei die Reichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>„Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er F&#252;lle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat“ (<a href="http://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/bibel/mt25.html">Mt. 25,29</a>).</p></blockquote>
<p>Der Volksmund macht aus diesem biblischen Zitat die Version: <strong>Der Teufel schei&#223;t immer auf den gr&#246;&#223;ten Haufen.</strong> Dieser als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Matth%C3%A4us-Effekt">Matth&#228;us-Effekt</a> bezeichnete Mechanismus sorgt f&#252;r eine gesellschaftlich Schere, bei die Reichen immer reicher und die Armen immer &#228;rmer werden. Im Gegensatz hierzu wird dem Internet im Allgemeinen und dem Social Web im Besonderen oft nachgesagt, dass es Zugangsvorraussetzungen zu gesellschaftlicher Teilhabe nivelliere und von bisheriger &#246;konomischen Macht ein St&#252;ck weit abkoppele (siehe dazu auch auf  <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_Kapital">Soziales Kapital</a> von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Bourdieu">Pierre Bourdieu</a>)</p>
<p>Anders ausgedr&#252;ckt: Es ist nicht mehr viel Geld oder es sind keine teuren Druckmaschinen mehr n&#246;tig, um sich Geh&#246;r zu verschaffen: Allein eine „richtige“ Botschaft erm&#246;gliche es einem Menschen zu gleichberechtigter Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs: Das Netz mache alle gleich (siehe dazu auch die Diskussion um <a href="http://yuccatree.de/2010/04/netzneutralitat-und-warum-sie-so-wichtig-ist-fur-das-internet-der-zukunft/">Netzneutralit&#228;t</a>).</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-2219" style="border: 1px solid #ccc; padding: 5px;" title="matthew" src="http://webevangelisten.de/wp-content/uploads/2010/04/matthew.jpg" alt="Foto: FlickR-User Kylemay" width="500" height="251" /><br />
<em>Die Reichen werden reicher, die Armen &#228;rmer: Das Matth&#228;us-Prinzip. (Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/kylemay/553916826/">Kylemay</a>)</em></p>
<h2>15 Minuten Ruhm f&#252;r alle</h2>
<p>Eine zun&#228;chst plausible Theorie und – zumindest aus meiner pers&#246;nlichen Sicht – durchaus w&#252;nschenswert: Jede und jeder hat die gleichen Chancen, unabh&#228;ngig von der &#246;konomischen Macht. Aber ist das wirklich so? Was der Spiegel schreibt oder Sascha Lobo twittert hat eine andere Reichweite und damit Durchschlagskraft als das, was Thomas Pfeiffer schreibt. Hat Otto Normalblogger Bernd tats&#228;chlich ernsthafte Chancen, mehr als nur die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/15_minutes_of_fame">15 Minuten Ruhm</a> zu erhaschen, die Andy Warhol schon vor 40 Jahren vorhersagte?</p>
<h2>Empirische Untersuchung des Matth&#228;us-Effekts auf Twitter</h2>
<p>Ich habe den Matth&#228;us-Effekt empirisch untersucht. Twitter habe ich deshalb verwendet, weil ich es quasi als Drosophila der Soziologie ansehe: Man kann die Daten sehr leicht erheben und einige Mechanismen isoliert herausarbeiten.</p>
<p>Die grunds&#228;tzliche Untersuchungsfrage war: „<strong>Haben Twitterati mit mehr Followern ein st&#228;rkeres Followerwachstum als ‚kleine‘ Accounts?</strong>“ Ber&#252;ckstichtigt habe ich dabei nur jeweils <a href="http://webevangelisten.de/suchverfahre-fur-deutsche-tweets/">aktiv-deutschsprachige Follower</a>, also Follower, die in den zur&#252;ckliegenden vier Wochen selber aktiv auf deutsch getwittert hatten. Weil Wachstum sinnvollerweise in Prozent angegeben wird, habe ich nicht den absoluten Followerzuwachs im Untersuchungszeitraum ber&#252;cksichtigt, sondern den relativen Zuwachs an Followern.</p>
<p>Dazu habe ich die Follower von 1.267 deutschsprachigen Twitteraccounts mit mindestens 500 aktiven Followern zu zwei Zeitpunkten miteinander verglichen: Zum ersten Mal im Mai 2009 und zum zweiten Mal ein halbes Jahr sp&#228;ter, im Oktober 2009. Meine These war, dass ‚gro&#223;e‘ Accounts noch gr&#246;&#223;er (mehr Follower) bekommen h&#228;tten als Accouns mit weniger Followern. Diese These wurde nicht best&#228;tigt!</p>
<h2>Matth&#228;useffekt wurde nicht best&#228;tigt</h2>
<p>Das Followerwachstum dieser Accounts steht in keinem Zusammenhang zu der bisherigen Anzahl der Follower. Anders ausgedr&#252;ckt: Auch manche ‚kleine‘ Accounts hatten ein starkes Wachstum und andere ‚gro&#223;e‘ Accounts wuchsen nicht schnell weiter. Es scheint sich an diesem Beispiel zu best&#228;tigen, dass der Matth&#228;us-Effekt, wonach die Reichen immer reicher und die Armen immer &#228;rmer werden, f&#252;r das Social Web wenn &#252;berhaupt, zumindest nur abgeschw&#228;cht gilt.</p>
<p>Im Schaubild dargestellt ist das Follower-Wachstum im beobachteten halben Jahr in Anh&#228;ngigkeit von der Followeranzahl zu Beginn der Untersuchung:</p>
<p><a href="http://webevangelisten.de/wp-content/uploads/2010/03/wachstum.png"><img class="alignnone size-medium wp-image-1961" title="Das Matth&#228;us-Prinzip nach Twitter" src="http://webevangelisten.de/wp-content/uploads/2010/03/wachstum-500x336.png" alt="" width="500" height="336" /></a></p>
<p><strong>Update:</strong> Hier ist zus&#228;tzlich das Schaubild f&#252;r den absoluten Followerzuwachs abh&#228;ngig von der Gr&#246;&#223;e eines Accounts. Das Ergebnis zeigt, auch kleine Accounts k&#246;nnen sehr stark anwachsen und &#252;ber dem Zuwachs von gr&#246;&#223;eren liegen. Wachstum ist von der Followerzahl unabh&#228;ngig.</p>
<p><a href="http://webevangelisten.de/wp-content/uploads/2010/04/zuwachsabsolut.png"><img class="alignnone size-medium wp-image-2228" title="Wachstum von Twitteraccounts in absoluen Zahlen" src="http://webevangelisten.de/wp-content/uploads/2010/04/zuwachsabsolut-500x271.png" alt="" width="500" height="271" /></a></p>
<h2>Gleichere Chancen f&#252;r alle</h2>
<p>Die Untersuchung sagt nichts dar&#252;ber was, wann oder warum ein Twitteraccount ‚gro&#223;‘ wurde, bzw. weshalb er w&#228;chst. Es ist plausibel, dass dieses Wachstum nicht zuf&#228;llig ist und auch mit Faktoren au&#223;erhalb des Social Web zu tun hat (z.B. <a href="/twitter-prominenz-provenienz/">Frau Bundesministerin Kristina Schr&#246;ders Account</a>).<br />
Aber der Befund n&#228;hrt die Hoffnung, dass die Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe im Social Web ein wenig gleichm&#228;&#223;iger verteilt sind als au&#223;erhalb und nicht mehr so stark vom Zugang zu Druckmaschinen und Werbebudget abh&#228;ngen. Ein bischen wenigstens.</p>
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